Zu Gast bei bürgerschaftlich initiierten Projekten: Impressionen von der Exkursion „Das Gute Leben selbstgemacht!“ am 23. September 23

Als Teil des Aktivierungs- und Transferprozesses „Das Gute Leben selbst gemacht! Knotenpunkte des öffentlichen Lebens im Bergischen RheinLand“ der REGIONALE 2025 wurden im Rahmen einer ganztägigen Exkursion am 23. September 2023 verschiedene Projektbeispiele von bürgerschaftlich initiierten Begegnungsorten im Bergischen RheinLand sowie aus ganz Nordrhein-Westfalen bereist. Exkursionsziele waren das WIR-Haus in Wülfrath, der Günnemann-Kotten in Witten sowie das Projekt „Miteinander Dabringhausen“ in Wermelskirchen.  

Durch die Vorträge der Projektmacher*innen und die spannenden Einblicke in ihre Projekte vor Ort konnten die Teilnehmer*innen wertvolle Anregungen für ihre eigenen Projekte mitnehmen. Mit den Beispielen wurden Wege aufgezeigt, wie Projekte mit Leben, verschiedenen Nutzungen und Frequenz gefüllt werden – was auch für die Initiierung von „Knotenpunkten des öffentlichen Lebens“ ein wesentlicher Meilenstein ist. Die Exkursion wurde zudem als Gelegenheit genutzt, den Austausch zwischen Projektaktiven und die Vernetzung zwischen verschiedenen Akteur*innen zu fördern. 

Beispielhafte Kooperation zwischen Kommune und Verein in Wülfrath
Der erste Halt wurde beim WIR-Haus in Wülfrather Innenstadt gemacht: Hier entsteht mit der prozesshaften Umnutzung eines leerstehenden VHS-Gebäudes ein Ort für Begegnung, Kultur und Bildung (www.wir-wuelfrath.de). Die Stadt Wülfrath suchte für das Gebäude eine gemeinwohlorientierte Nachnutzung. Nach ersten Ideensammlungen hat sich daraufhin 2020 sehr zügig der Wülfrather Ideen Räume e.V. (kurz: WIR), ein Zusammenschluss aus verschiedenen Vereinen und Einzelpersonen, als Dach für den Betrieb gegründet. Seit 2021 hat der Verein Zugriff auf die Immobilie und viel in Eigenarbeit hergerichtet. Das Haus befindet sich seitdem in einem Probebetrieb, dessen Erfahrungen für die Weiterentwicklung als sehr wertvoll eingeschätzt werden. Neben einigen Seminar- und Büroräumen („ideenRAUM“), ist ein multifunktionaler Veranstaltungsraum mit Kleinkunstbühne im Erdgeschoss („ideenBÜHNE“) sowie ein „Makerspace“ mit entsprechender Technik im Obergeschoss („ideenWERK“) entstanden. Der WIR-Verein und weitere Partner*innen initiieren hier z.B. ein eigenes Kulturprogramm oder Workshops zum Thema Medienkompetenz. Bemerkenswert ist nicht nur das Tempo der Projektentwicklung, sondern auch die gute Kooperation zwischen Verein und Kommune. Denn diese beteiligt sich an den Gebäudekosten und nimmt dem Verein auch planerische und rechtliche Aufgabe wie beispielsweise die anstehende Bauphase ab. Denn die weitere Sanierung des Hauses mithilfe von Städtebaufördermitteln wird angestrebt. Der Verein ist sehr zuversichtlich, dass sich auch für diese Zeit eine Interims-Lösung finden lässt und die Angebote nicht pausieren müssen.

Wiederherstellung eines Denkmals aus bürgerschaftlicher Initiative
Das nächste bereiste Projekt befindet sich in Witten-Rüdinghausen: Am Günnemann-Kotten schaffen die Engagierten rund um den Günnemann-Kotten e.V. einen naturbezogenen Begegnungsort. Neben dem 350 Jahre alten, identitätsstiftenden Kotten, der für die Dorfgemeinschaft nutzbar gemacht werden soll, ist das Außengelände mit Bauerngarten und der Renaturierung eines Baches (Brunebecker) das Herzstück des Projektes (www.guennemann-kotten.de). Nachdem das Gebäude 30 Jahre leer gestanden hat, ist der Kotten seit 2019 durch eine gemeinschaftliche Ersteigerung über Spendenmittel im Besitz des Vereines. Die Wiederherstellung des Fachwerks und des Bauergartens erfolgt schrittweise in Eigenregie des Vereins, finanzielle Unterstützung kommt aus Fördermitteln aus dem Bereich Denkmalschutz und zusätzlichen Spendenmitteln. Ideen für die perspektivische Nutzung gibt es viele: Begegnungsort für den Stadtteil und außerschulischer Lernort für Geschichte, Natur und Umwelt. Der Kotten soll außerdem zukünftig als Museum dienen. Die Begeisterung für den Ort und die hohe Motivation der Projektmacher*innen ist für die Exkursionsteilnehmer*innen spürbar. In Anbetracht der sehr aufwendigen Sanierung geben die Aktiven den Teilnehmenden mit, in ihrem Fall sei der Weg das Ziel. Begeisterung für den Ort konnte mittlerweile auch in der Nachbarschaft geweckt werden, sodass immer mehr Helfer*innen bei der Realisierung des Projektes mit unterstützen.

Gelebtes Miteinander in Dabringhausen
Ihren Abschluss fand die Exkursion nach einem letzten Halt in Wermelskirchen-Dabringhausen beim Projekt „Miteinander in Dabringhausen“. Hier war der Wunsch nach einem Ort der Begegnung so groß, dass sich 2012 eine gemeinnützige GmbH gründete. Sie erwarb das renovierungsbedürftige Fachwerkhaus mitten im Dorfkern neben der Kirche. Besonders ist, dass das Vorhaben komplett ohne öffentliche Fördermittel und einzig aus Spenden realisiert werden konnte. Das Einholen der Spenden wurde dadurch begünstigt, dass die Initiator*innen schon vorher sehr aktiv und bekannt in der Dorfgemeinschaft waren und so gezielt auf einzelne Personen zugehen konnten. Das Gebäude wurde schrittweise zu einem Ort der Begegnung für Kultur, Sport, Kinder- und Jugendarbeit umgenutzt (www.miteinander-dabringhausen.de). Die Nutzungen haben sich seitdem stetig weiterentwickelt. Derzeit befinden sich im Obergeschoss multifunktional nutzbare Räume, die an Ehrenamtliche und private Raumsuchende vermietet werden, beispielsweise ist die Musikschule Wermelskirchen Nutzerin dieser Räumlichkeiten. Im Erdgeschoss befindet sich die Gaststätte „Markt 57“, die von einem Pächter betrieben wird und somit Einnahmen generiert. 

Die Einblicke in alle Projektbeispiele haben verdeutlicht, dass es sehr von Vorteil sein kann, wenn das Kernverantwortungsteam eines Projektes gut und vielfältig in seinen Kompetenzen aufgestellt ist und somit Dinge in Eigenregie übernehmen kann.Außerdem wurde den Exkursionsteilnehmer*innen mitgegeben, dass eine transparente Kommunikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll ist, um weitere Mitstreiter*innen für das Projekt zu finden und den Kontakt zur Nachbarschaft/Bürgerschaft aufrecht zu halten.

Alle drei Projektbeispiele zeigen somit ganz unterschiedliche Wege auf (z.B. hinsichtlich Projektprofil, der gewählten Trägerschafts- und Organisationsform sowie der Finanzierung). Dies verdeutlicht exemplarisch, dass Projektentwicklungen immer eine individuelle und an die Rahmenbedingungen angepasste Herangehensweise erfordern. Dennoch können aus dem Austausch mit anderen Projektmacher*innen und den Besichtigungen mutmachende Anregungen und vielfältige Inspirationen für die Entwicklung solcher „Knotenpunkte des öffentlichen Lebens“ gewonnen werden – aus den geteilten Erfahrungen wird deutlich, ein langer Atem bei den Engagierten kann sich in solchen Prozessen lohnen.

Veröffentlicht am 06.10.2023

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