Villa Much

Die eco:much eG organisiert an einem Bauernhof im Mucher Ortsteil Oberwahn das Projekt einer Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi). Vorstand und eG beschäftigten sich mit einer Projektidee, im Hauptort Much einen Lebensmittelladen (Unverpacktladen) mit einer Küche und einer Akademie aufzubauen, der gleichzeitig auch ein soziokultureller Treffpunkt werden solle, an dem gemeinsam gekocht, gelernt und sich ausgetauscht werden kann.

 Neben der Genossenschaft konnten viel Mitstreiter*innen gefunden werden. Die Gemeinde Much stellte schließlich eine kommunale Immobilie (in Much als „Villa“ bekannt) für eine zweijährige Testphase ab Herbst 2024 zur Verfügung.

Ausgangslage

Aus verschiedenen Vorgängerprojekten, die sich mit lokaler Nachhaltigkeit beschäftigten, entstand in einem Kreis engagierter Mucher*innen der Wunsch nach einem praktischen Projekt, das konkret und „hands on“ umgesetzt werden kann. Ergebnis war die Gründung der Genossenschaft eco:much eG und seit Anfang 2022 der Aufbau eines genossenschaftlichen Betriebs nach dem Modell der „Solidarischen Landwirtschaft SoLaWi“. Mit einem Bauern sowie 30 Erntehelfer*innen wird schon im zweiten Jahr auf Grundstücken eines Bauernhofs der Boden bearbeitet, bepflanzt, gepflegt und Gemüse geerntet.

Die Initiator*innen und die Genossenschaft hatten von vorneherein ein sehr ganzheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit, das über eine klassische SoLaWi hinausgeht. Sie hatten Umweltbildung (Stichwort much:Akademie) und einen Ort Im Kopf, an dem Lebensmittel, Kochen und Geselligkeit die Basis werden für zivilgesellschaftliche Begegnung und gemeinsames Handeln für eine nachhaltige Ortsgesellschaft.

Mit der Auswahl des Projektstandorts, der „Villa“ in Much, stieg auch das Interesse der Mucher*innen, am Projekt mitzuwirken und einen zentralen Knotenpunkt des öffentlichen Lebens gemeinschaftlich zu entwickeln.

Initiative

Der Vorstand der eco:much eG war zunächst der Ausgangspunkt der Knotenpunkt-Idee. Die Bio-Gemeinde Much konnte gemeinsam mit dem Bürgermeister in Person gewonnen werden, um sowohl nach einer für das Projekt geeigneten Immobilie zu suchen als auch bei der Konkretisierung einer bürgerschaftlichen Gemeinschaftsinfrastruktur im Kernort von Much zu unterstützen. Mit der Durchführung der Ideenwerkstatt im Herbst 2023 sowie der Konkretisierung des Projektstandortes in der „Villa Much“, konnten weitere interessierte Akteure und aktive Projektmitglieder*innen gewonnen werden.

Eine Steuerungs- und eine Arbeitsgruppe dienten als vorläufiger Verantwortungskreis für einen zivilgesellschaftlichen Gemeinschaftsträger, der perspektivisch auch der Vorstand eines Förder-und Trägervereins werden könnte. Eine Vereinsgründung „Much vereinT e.V.“ wird angestrebt.

Zudem wird die Steuerungsgruppe engmaschig durch Vertreter*innen der Gemeinde Much, des Rhein-Sieg-Kreises, der REGIONALE 2025 Agentur sowie dem externen Fachbüro startklar a+b im Rahmen des Aktivierungsprozesses „Knotenpunkte des Öffentlichen Lebens“ unterstützt.

Idee und Funktionen

Im Rahmen der Ideenwerkstatt 2023 wurden viele Nutzungsideen diskutiert. Mit der Aussicht auf das Gebäude der Villa und einen Testbetrieb ab Herbst/Winter 2024 wurde die Projektidee immer konkreter. Im Testbetrieb können Räume in einem Hauptgeschoss, in einem Obergeschoss und einem Untergeschoss zunächst ohne aufwändige Umbauten genutzt werden.

Das Hauptgeschoss wird geprägt sein Nutzungsmischungen:

  • Kulturveranstaltungen, kleines Kulturprogramm
  • Tauschbörsen, Second-Hand-Angeboten
  • Pop up-Ausstellungen
  • Dorfwohnzimmer/Dorfküche
  • Beratungsangeboten der Gemeinde
  • Vereinssprechzeiten
  • offene Gruppen- und Initiativen-Treffen
  • Repair-Cafe
  • Coworking
  • Musikschule

Die drei Räume des Obergeschosses sollen Gruppen, Initiativen und Vereinen temporär für deren Aktivitäten zur Verfügung stehen.

Im Untergeschoss werden Nebenräume untergebracht, aber auch soziale Nutzungen durch die „Tafel“ oder eine „Kleiderstube“ geprüft.

Das Außengelände soll als Gemeinschaftsgarten ökologisch und nachhaltig umgestaltet und genutzt werden (Stichwort „essbares Dorf“).

Besonderheiten

Die Aktiven und Nutzungsinteressierten haben sich vielen Diskussionen darauf verständigt haben, dass der Schwerpunkt auf Kooperation und gemeinschaftliches Handeln gelegt werden soll (und nicht auf Einzelnutzungen). Die Stärkung der Ortsgesellschaft ist das Ziel. Dabei sollen Aktivitäten und Nutzungen im Vordergrund stehen, die es bisher so in Much noch nicht gibt (also Lücken geschlossen werden). Schnittstellen zu ökonomisch-gemeinwohlorientierten Ideen sollen bewusst ausgelotet werden. Besonders hinzuweisen ist auf die Kooperation mit der Kommune, nicht nur bei der Immobilie, sondern auch bei der Nutzung (z.B. iederschwellige Beratung).

Aktueller Stand und Ausblick

Mit der Gründung des gemeinnützigen Villa Much e. V. im Frühjahr 2025 ist die Verantwortung für den Betrieb der Villa Much während der Testphase verbindlich geregelt. Der Testbetrieb läuft seit Sommer 2025 und ist derzeit bis voraussichtlich Mitte 2027 angelegt. Eine Nutzungsvereinbarung regelt die Übergabe der Villa zwischen Gemeinde und Verein. Die Gemeinde übernimmt zunächst Instandhaltungspflichten und Nebenkosten, der Verein organisiert den laufenden Betrieb. Die Gemeinde begleitet das Projekt weiterhin als verlässlicher Partner.

Der Zeitraum Sommer 2025 bis Sommer 2026 dient insbesondere dazu, den laufenden Betrieb in der grundlegend hergerichteten Villa zu erproben und auszuwerten – als Grundlage für ein tragfähiges Konzept für eine mittel- und längerfristige Perspektive.

Bereits jetzt finden regelmäßig Veranstaltungen in den Bereichen Sport, Kunst und Kultur statt – zum Beispiel Stuhlyoga oder Kreative Stunden. Aus den Erfahrungen des Testbetriebs soll ein Perspektivkonzept entstehen, das die zukünftige Nutzung, mögliche Umbau- und Entwicklungsschritte sowie ein langfristiges Träger- und Betriebskonzept beschreibt – mit dem Ziel, ab 2028 ff. einen dauerhaft tragfähigen Betrieb zu ermöglichen.

Die Villa Much gehört zu den Pilotprojekten im Aktivierungs- und Transferprozess „Das Gute Leben selbst gemacht – Knotenpunkte des öffentlichen Lebens im Bergischen RheinLand“ der REGIONALE 2025 Bergisches RheinLand. Die REGIONALE hat dem Projekt im Juni 2025 den A-Status gegeben.

Stand: Februar 2026

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